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Anforderungen an das Gerüst

Zusammenfassung Anforderungen
Zugang zu Arbeitsplätzen auf dem Gerüst
Beschaffenheit des Gerüsts und der Gerüstbestandteile
Seitenschutz
Verankerungen und Abstützungen
Arbeiten auf Dächern
Spenglergang
Dachneigung berechnen
Dachdeckerschutzwand
Tragfähigkeit Arbeitsgerüste
Berechnung von Nutzlasten
Sicherheit in eigener Sache
Anatonomie eines Gerüstes

Einleitung

Obwohl es hier sehr technisch wird, möchten wir vollständigkeitshalber die Anforderungen an ein Gerüst aufführen. Dies kann dem Besteller bei seiner Kontrolle dienlich sein.

In einem Satz zusammengefasst muss das Gerüst so aufgebaut sein, dass keine Person bei fachgerechter Nutzung runterfallen kann. Bei fachgerechter Nutzung sollte man sich die Devise vor Augen führen «Auf dem Arbeitsgerüst die Arbeit, auf dem Spielplatz die Spiele».

Zusammenfassung Anforderungen

Zugang zu Arbeitsplätzen auf dem Gerüst

Für jeden Arbeitsplatz muss in höchstens 25m Entfernung ein sicherer Zugang vorhanden sein. Für den Aussenaufstieg sind auch Leitern bis zu einer Absturzhöhe von 5m zugelassen (BauAV 45).

Der Gerüstbauer muss bei jedem Zugang und Aufstieg Schilder anbrigen mit Angaben der Nutzlast und dem Verbot für unbefugtes Betreten des Getrüstes (SIA 118/222 1.3.2)

Hinweistafel bei jedem Zugang

Beschaffenheit Gerüst und Gerüstbestandteile

Wird bei Hochbauarbeiten die Absturzhöhe von 3m überschritten, so ist ein Fassadengerüst zu erstellen. Der oberste Holm des Gerüstes hat während der ganzen Bauarbeiten die höchste Absturzkante um mindestens 80cm zu überragen (BauAV Art. 18).

BauAV 37 schreibt vor, dass nur Gerüste und Gerüstbestandteile verwendet werden dürfen, die den Anforderungen an das Inverkehrbringen nach dem Bundesgesetz über die Produktesicherheit entsprechen. Sie müssen alle einwirkenden Kräfte, auch während des Auf-, Um- und Abbaus, aufnehmen können, namentlich

Gerüste müssen auf eine tragfähige Unterlage abgestellt und gegen Wegrutschen gesichert werden. Wenn notwendig, sind Hilfskonstruktionen zu erstellen (BauAV 40).

Gerüste sind so stabil aufzubauen, dass sämtliche Bestandteile gegen unbeabsichtigtes Verschieben gesichert sind (BauAV 39).

Gerüstbestandteile, die verbogen, geknickt, durch Korrosion oder anderswie beschädigt sind, dürfen nicht benützt werden (BauAV 38).

Das Gerüst ist am Bauwerk zug- und druckfest zu verankern oder anderweitig in geeigneter Weise, namentlich durch Abstützen oder Abspannen, zu fixieren (BauAV 41).

Wer eigene oder gerüstfremde Ein- und Anbauten jeglicher Art wie Aufzüge, Seilwinden oder Konsolen an ein Gerüst anbringen will, hat sich vorgängig zu vergewissern, dass das Gerüst bezüglich Tragsicherheit und Stabilität den zu erwartenden Zusatzkräften standhält (BauAV 42).

Die Gerüstgänge der Arbeitsgerüste sind in einem vertikalen Abstand von höchstens 2.3m anzuordnen.

Seitenschutz

Bei einer Absturzhöhe von über 2m oder in Bereichen von Gewässern und Böschungen ist das Anbringen eines Seitenschutzes nötig (BauAV 15.1). BauAV 16 regelt weiter die Beschaffenheit des benötigten Seitenschutzes. Ein Seitenschutz besteht aus zwei horizontalen Streben, einem Geländerholm (zwischen 95cm und 105cm) und Zwischenholm (zwischen 50cm und 60cm) und unten einem Bordbrett (mind. 15cm ab der Standfläche). Der Abstand zwischen Geländerholm und Zwischenholm darf nicht mehr als 47cm betragen.  Der Seitenschutz ist so zu befestigen, dass er nicht unbeabsichtigt entfernt werden oder sich lösen kann.

Seitenschutz: Geländerholm (95-105cm), Zwischenholm (50-60cm) und Bordbrett (mind. 15cm)

Gerüstgänge die weder für den Durchgang oder Arbeit benötigt werden und auch agesperrt wurden, benötigen nicht unbedingt Bordbretter.

Ist das Anbringen eines Gerüstes oder Seitenschutzes technisch unmöglich oder zu gefährlich, so sind gleichwertige Schutzmassnahmen (wie Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen) zu verwenden. Dabei darf die Absturzhöhe bei Abstürzen in ein Schutznetz nicht mehr als 6 m und in ein Fanggerüst nicht mehr als 3 m betragen (BauAV 19).

Verankerungen und Abstützungen

Befestigungen, wie Verankerungen und Abstützungen, ist die grösste Aufmerksamkeit zu schenken und bei der Ausführung die grösste Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Die Stabilität und Sicherheit des Gerüstes hängt davon ab.

Die Befestigungen sind bei der Gerüstmontage fortlaufend anzubringen und dürfen erst bei der Gerüstdemontage (auf diese abgestimmt) entfernt werden. Die Verankerung erfolgt an der Fassade durch geeignete, zulässige Dübel entsprechend den Ankerkräften. Es ist sicherzustellen, dass die Fassade diese Kräfte aufnehmen und in das Bauwerk weiterleiten kann.

Enthält die Montageanleitung des Gerüsteherstellers, aufgrund der statischen Berechnungen, keine andere Vorgaben, so gelten folgende Mindestanforderungen für Gerüste bis zu 30m Höhe:

Die Verankerungen sind in der Höhe versetzt anzuordnen.

Zusätzliche Verankerungen sind bei Treppenaufgängen, Spenglerläufen, Arbeitspodesten, Not- und Schutzdächern und anderen Gerüstauskragungen. Gerüste über 30m Höhe, sind im unteren Bereich häufiger zu verankern.

Verankerungen mit oder ohne Netz

Auslägestützen

Auslegestützen kommen zur Anwendung, wenn an der Fassade keine zug- und druckfesten Verankerungen angebracht werden können und die Höhe des obersten Laufganges nicht mehr als 6.00m beträgt.

Bei vollflächig verkleideten Gerüsten darf diese Verankerungsart nicht gewählt werden. Bekleidete Fassadengerüste (Netze, Planen) können praktisch nicht fachgerecht mit einer Aussenabstützung gesichert werden.

Die Aussenabstützungen sind mindestens bei jedem 2. Ständer anzubringen.

Aussenabstützung anstelle von Verankerungen

Arbeiten auf Dächern

An Dachrändern, auch an giebelseitigen Dachrändern, sind ab einer Absturzhöhe von 3m Massnahmen zu treffen, um Abstürze zu verhindern (BauAV 28). Je nach Dachneigung (an der Traufe gemessen) sind entsprechende Massnahmen zu treffen (BauAV 28.2).

Die Dachfangwand wird direkt an der Traufe errichtet, hat diese um mindestens 80cm zu überragen, muss eine Bauhöhe von mind. 100cm aufweisen und ist in der tragenden Unterkonstruktion zu verankern.

Bei Dachneigungen von mehr als 40° sind für Arbeiten an der Traufe zusätzlich zur Dachfangwand Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen zu verwenden oder gleichwertige Schutzmassnahmen zu treffen.

Spenglergang

Der Spenglergang ist ein Gerüstgang, der das sichere Arbeiten am Dachrand ermöglicht und in der Regel auskragend am Gerüst montiert ist (BauAV 47.1). Der Belag des Spenglerganges ist für eine dynamische Beanspruchung wie beim Sturz vom Dach zu bemessen (BauAV 47.3). Das heisst, dass die Beläge so beschaffen sein müssen, dass sie ein Fall eines 100kg schwerer Fallkörper aus 2.5m standhalten können. Selbstverständlich wird das Testen vom Gerüstehersteller veranlasst, nur muss der Gerüstbauer die dafür vorgesehenen Belege benutzen.

Der Seitenschutz des Spenglerganges muss mindestens 60cm von der fertigen Dachtraufe oder der Aussenkante des Daches entfernt stehen; sein oberster Holm muss mindestens 80 cm oberhalb des Dachrandes liegen (BauAV 47.4). Die Abstände zwischen Holmen oder zwischen Holmen und Bordbrettern dürfen 50 cm nicht überschreiten (BauAV 47.5).

Spenglergang bei verschiedenen Dachneigungen

Bei Dächern mit einer Neigung bis und mit 60° ist ein Spenglergang anzubringen (BauAV 29.1).

Bei Absturzhöhen ab der Traufe oder ab dem Flachdachrand von mehr als 3m ist maximal 1m unterhalb derselben ein Spenglergang zu erstellen (BauAV 47.2).

Dachneigung berechnen

Dachneigung berechnen

Möchten Sie die Dachneigung berechnen, benötigen Sie die Länge und Höhe an einem beliebigen Punkt des Daches. Wichtig bei der Messung, dass Länge und Höhe (die Katheten) sich im rechten Winkel (90°) schneiden.

Sie dividieren die Höhe durch Länge (b/a) und erhalten die Neigung/Steigung in Prozent (Neigung%). Den Neigungswinkel (Neigung°) kann mittels arctan(Neigung%)*180*pi berechnet werden. Oder Sie können auf die Schnelle unseren Rechner verwenden und Höhe und Länge eingeben.

Höhe (b): Länge (a):

Eine Höhe von 0.00 und eine Länge von 0.00 ergibt eine Dachneigung von 0.00% / 0.00 °.

Dachdeckerschutzwand

Die Dachdeckerschutzwand ist eine Schutzeinrichtung am Spenglergang, die vom Dach stürzende Personen, Gegenstände und Materialien auffängt (BauAV 48.1). In der Dachdeckerschutzwand sind Öffnungen oberhalb der Traufe oder des Dachrandes bis zu einer Höhe von je 25cm, unterhalb der Traufe oder des Dachrandes bis zu einer Fläche von je 100 cm2 zulässig (BauAV 48.2).

Tragfähigkeit Arbeitsgerüste

In Hinsicht auf die auszuführenden Arbeiten dürfen nur Gerüste mit folgender minimaler Tragfähigkeit (Nutzlast in kN pro m2) und minimale Belagsbreite (auch zwischen Ständern) verwendet werden:

BauAV Art 44 NL min. Belagsbreite Gerüstbezeichnung
Arbeiten mit leichtem Material wie Verputz- oder Malerarbeiten 2.00 60cm leichtes Arbeitsgerüst (Verputz-/Malergerüst)
Arbeiten mit Material-lagerung wie Maurerarbeiten 3.00 90cm schweres Arbeitsgerüst (Maurergerüst)
Arbeiten mit schwerem Material wie das Versetzen von Fertigelementen 4.50 90cm besonders schweres Arbeitsgerüst (Steinhauergerüst)

Berechnung von Nutzlasten

Die zulässigen Belastungen der jeweiligen Gerüstsysteme regelt die Anleitung des entsprechenden Herstellers auf der Basis der SN EN 12811.

Die Summe der gleichmässig verteilten Verkehrslasten auf den einzelnen Gerüstbelagflächen (innerhalb eines Gerüstfeldes) darf die angegebene Nutzlast nicht überschreiten. Pro Person wird eine Last von 1kN (etwa 100kg) angenommen. Werden Lasten mit Hebezeugen bspw. Kran auf Gerüste abgesetzt, sind diese Lasten jeweils mit dem Faktor 1,2 zu multiplizieren.

Beispiel: Zulässige Belastung einer Gerüstbelagfläche in einem Gerüstfeld der Lastklasse 3.

Die geschätzte Belastung setzt sich aus den Lasten der Materialien und Personen zusammen:

Sicherheit in eigener Sache

Melden Sie uns ungeniert, sollte sich einer unser Mitarbeiter gegen Sicherheitsvorschriften oder Vorschriften im Allgemeinen verstossen. Wir behandeln diese Angelegenheiten diskret.


Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann trotzdem nicht übernommen werden. Wir bitten Sie um Verständnis. Sollten Sie Informationen vermissen oder sonstige Anregungen haben, schreiben Sie uns, wir sind für jedes Feedback die diese Webseite verbessert dankbar.

Vision 250 Leben

Im Zentrum der «Vision 250 Leben» stehen die «Lebenswichtigen Regeln». Diese werden für alle Branchen und Tätigkeiten mit hohen Risiken spezifisch erarbeitet. Was das Einhalten dieser Regeln betrifft, gilt Null-Toleranz. Das bedeutet, wenn Gefahr für Leben und Gesundheit droht, heisst es STOPP, die Arbeiten einstellen und die gefährliche Situation beseitigen.

«Der Gerüstbauprofi macht seinen Job, ich mach meinen.»

Demontagen, Anpassungen oder Erweiterungen dürfen nur vom Gerüstbauer vorgenommen werden. Wer das Gerüst manipuliert, schafft eine gefährliche Unfallquelle für sich und andere und verstösst gegen das Gesetz. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten – Bauherr, Planer und Benutzer – für das Thema sensibilisiert sind und dass sie auch ihre Mitarbeitenden entsprechend instruieren.

Nicht abändern, sondern abändern lassen!

Gerüste werden immer wieder von den Benutzern verändert und den eigenen Bedürfnissen angepasst. Das führt nicht nur zu Materialschäden, sondern vor allem zu schweren Unfällen.