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Rechte, Plichten & Sicherheit

Des einen Recht ist des anderen Pflicht (Einführung)
Vor der Erstellung des Gerüstes: Mögliche Gefahren
Erstellung und Abnahme des Gerüstes
Nutzung und Mängel
Sichtkontrolle
Sicherheitshinweise
Änderungen am Gerüst
Gerüst-Benutzungsbestimmungen
Lagerung von Material auf Gerüsten
Grobe Verschmutzung des Gerüstes
Schäden am Gerüstmaterial


Gesetze, Vorschriften und Normen rund um das Gerüst

Des einen Recht ist des anderen Pflicht

Sie als Besteller sind nicht nur zur Zahlung verpflichtet, als Gegenleistung für die Herstellung eines Werkes durch den Gerüstbauer (OR 363). Es gibt gesetzliche Vorschriften (wie OR, BauAV, UVG, VUV etc.) und branchenrelevante Normen (SIA 118 und 118/222), wonach sich grundsätzlich alle Parteien rund um das Gerüst richten müssen. Welche das sind, versuchen wir folgend mit Quellenangaben aufzuführen.

Um alle Vorschriften als Besteller besser verstehen zu können, ist es einfacher sich vorzustellen, dass der Gerüstbauer dem Besteller ein Arbeitsgerüst zu seiner Verfügung und Verantwortung stellt bzw. vermietet. Dies bedeutet einerseits, dass der Besteller eine Gerüstmiete an den Gerüstbauer bezahlen muss, andererseits der Besteller verpflichtet ist, das Gerüst nach Gebrauch im gleichen Zustand zurückzugeben.

Der Besteller seinerseits stellt dem Benutzer das Gerüst als sicheren Arbeitsplatz für vorgesehenen Arbeiten zur Verfügung. Dieser wiederum ist verpflichtet, seinen Arbeitsplatz wie vom Gerüstbauer und Besteller (Bauleitung) zu nutzen, nicht zu verändern und nach getaner Arbeit diesen, wie vorgefunden, sauber zu hinterlassen.

Einfache Darstellung: Gerüstbauer-Besteller-Benutzer

Vor der Erstellung des Gerüstes: Mögliche Gefahren

Vor Beginn der Gerüstbauarbeiten muss abgeklärt werden, ob im Arbeitsbereich Anlagen vorhanden sind, durch die Personen gefährdet werden können, namentlich elektrische Anlagen, Verkehrsanlagen, Leitungen, Kanäle, Schächte, Anlagen mit Explosionsgefahr oder Giftstoffen. Sind solche Anlagen vorhanden, so ist mit deren Eigentümern oder Betreibern schriftlich festzulegen, welche Sicherheitsmassnahmen erforderlich sind und wer sie durchzuführen hat.

Werden solche Anlagen erst nach Arbeitsaufnahme entdeckt, so müssen die Arbeiten sofort eingestellt werden und dürfen erst wieder aufgenommen werden, wenn die erforderlichen Massnahmen getroffen worden sind (BauAV 20).

Erstellung und Abnahme des Gerüstes

Bei Systemgerüsten ist der Gerüstbauer verpflichtet, sich an die Montageanleitung des Gerüste-Herstellers, insbesondere Angaben über Aussteifung, Verankerung, Überbrückung von Öffnungen und Eckausbildung des Gerüstes, zu beachten (BauAV 51.1).

Nach Erstellung und Ablieferung des Gerüstes (Werkes) hat der Besteller, sobald es nach den üblichen Geschäftsgange tunlich ist, dessen Beschaffenheit zu prüfen und den Gerüstbauer von allfälligen Mängeln in Kenntnis zu setzen (OR 367.1).

Die dem Besteller bei Mangelhaftigkeit des Werkes gegebenen Rechte fallen dahin, wenn er durch Weisungen, die er entgegen den ausdrücklichen Abmahnungen des Gerüstbauers über die Ausführung erteilte oder auf andere Weise die Mängel selbst verschuldet hat (OR Art. 369).

Wird das abgelieferte Werk vom Besteller ausdrücklich oder stillschweigend genehmigt, so ist der Unternehmer von seiner Haftpflicht befreit, soweit es sich nicht um Mängel handelt, die bei der Abnahme und ordnungsmässigen Prüfung nicht erkennbar waren oder vom Unternehmer absichtlich verschwiegen wurden (OR 370.1). Stillschweigende Genehmigung wird angenommen, wenn der Besteller die gesetzlich vorgesehene Prüfung und Anzeige unterlässt (OR 370.2). Treten die Mängel erst später zu Tage, so muss die Anzeige sofort nach der Entdeckung erfolgen, widrigenfalls das Werk auch rücksichtlich dieser Mängel als genehmigt gilt (OR 370.3).

OR Art 370 auf das Gerüst umgemünzt geht es vor allem darum, den Gerüstbauer von Mängeln schadlos zu halten, welche aufgrund unsachgemässer Nutzung, Elementarschäden, Abänderungen durch andere als den Gerüstbauer, etc. entstanden sind, aber durch den Gerüstbauer und nur durch ihn, kostenpflichtig behoben werden müssen.

Gerüstbauer sind verpflichtet zu jeder Etappe einen Kontrollrapport zu führen (SIA 118/222 1.3.1).

Die Verjährung (2 Jahre nach Abnahme des Werkes) aller Ansprüche wegen Mängel des Werkes nach OR 371 sind einer der Gründe warum der Werkvertrag anwendbar für Gerüste fraglich ist.

Verzögert sich die Erstellung des Gerüstes in vertragswidriger Weise oder ist er damit ohne Schuld des Bestellers so sehr im Rückstand, dass die rechtzeitige Vollendung nicht mehr vorauszusehen ist, so kann der Besteller, ohne den Liefertermin abzuwarten, vom Vertrage zurücktreten (OR 366.1).

Nutzung & Mängel

Nach der «Werkvollendung» übernimmt der Besteller das Betriebsrisiko für das Gerüst. Sie als Besteller haben nun die Verantwortung über das Gerüstmaterial, aber, was noch wichtiger ist, sind Sie zu einem grossen Teil für Sicherheit auf und um das Gerüst verantwortlich. Dies entbindet natürlich den Benutzer nicht vor Eigenverantwortung bezüglich Sicherheit und Sorgfalt.

Sichtkontrolle

Alle (Gerüst-) Benutzer müssen täglich eine Sichtkontrolle durchführen. Das heisst, sie müssen das Gerüst bezüglich offensichtlichen Mängel kontrollieren. Stellt man Mängel fest, so ist das Arbeiten auf dem Gerüst nicht mehr erlaubt, bis die Mängel behoben wurden (BauAV Art. 49.1, SIA 118/222 4.2).

Folgende Punkte sollte der Besteller/Benutzer regelmässig kontrollieren:

  1. Stabilität: Steht das Gerüst auf tragfähiger Unterlage?
  2. Zugänge: Sind sichere Zugänge zu allen Gerüstgängen vorhanden?
  3. Gerüstbeläge: Sind alle Gerüstbeläge in Ordnung und gegen Verschieben gesichert?
  4. Seitenschutz: Sind Bordbretter, Geländer- und Zwischenholme montiert?
  5. Abstände: Betragen die Fassadenabstände überall weniger als 30cm?
  6. Verankerungen: Ist das Gerüst genügend verankert? Haben sich Verankerungen gelöst oder wurden sie entfernt?
  7. Absturzsicherung: Ist die Absturzsicherung am Dachrand traufseitig und giebelseitig vorhanden?
Sichtkontrolle: 7 Punkte

Mit der bewussten oder unbewussten Arbeitsaufnahme auf dem Gerüst attestiert der Benutzer dem Besteller, dass das Gerüst für ihn so in Ordnung ist und erhöht zugleich auch das Unfallrisiko für sich und andere.

Beispiele für offensichtliche Mängel sind:

Der Besteller muss sicherstellen, dass das Gerüst, nach der Werkübergabe, während der gesamten Benutzungsdauer in einem regelkonformen Zustand bleibt. Müssen Anpassungen am Gerüst vorgenommen werden, so darf nur der Gerüstbauer dafür aufgeboten werden (SIA 118/222 1.3.1). Wer das Gerüst eigenmächtig verändert d.h. manipuliert, schafft eine gefährliche Unfallquelle für sich und andere und verstösst gegen das Gesetz!

Vorgehensweise bei Mängel: Nie selbst beheben!

Abänderungen am Gerüst

Müssen Abänderungen am Gerüst vorgenommen werden, so muss der zuständige Gerüstbauer dafür bestellt werden. Auf keinen Fall dürfen Besteller oder Benutzer das Gerüst oder Gerüstelemente eigenständig verändern oder entfernen.

Einerseits macht man bei einer unerlaubten Veränderung strafbar, aber was noch schlimmer ist, bringt man sich und andere in Lebensgefahr.

Sicherheitshinweise

Auf Gerüstbelägen sowie auf Zugängen, Auf- und Abstiegen muss überflüssiges oder gefährliches Material, namentlich Schutt, Schnee und Eis, entfernt werden. (BauAV 49.2). Für die Schnee- oder Eisräumung auf dem Gerüst ist der Besteller verantwortlich (SIA 118/222 1.3.1).

Das Gerüst darf nur über den ordnungsgemässen Zugang oder Aufstieg betreten und verlassen werden. Es ist verboten, zu klettern oder abzuspringen. Das Gerüst darf nur im Vollbesitz der Kräfte (d.h. beispielsweise nicht unter Einfluss von Alkohol oder Drogen, Müdigkeit, etc.) betreten werden.

Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorschriften sollte man noch folgende Sicherheitshinweise befolgen:

Sicherheitshinweise

Gerüst-Benutzungsbestimmungen

Ein Gerüst-Werkvertrag bringt viele Pflichten für den Besteller mit sich. Zusammengefasst möchte der Gerüstbauer sein Gerüst, nach getaner Arbeit, im gleichen Zustand zurückbekommen. Da der Gerüstbauer nur einen Werkvertrag mit dem Besteller eingeht, wird der Besteller bei Mängeln, Schäden und verschmutztes Gerüst direkt angegangen. Das heisst jetzt nicht, dass die Benutzer walten können wie sie möchten. Die branchenüblichen Normen regeln Unstimmigkeiten nach dem Verursacherprinzip.

Unseren Kunden stellen wir unser Formular „Gerüst-Benutzungsstimmungen“ zur Verfügung, einer Vereinbarung ausschliesslich zwischen dem Benutzer und Besteller. Diese Vereinbarung fasst die wichtigsten Bestimmungen aus den Normen SIA 118 und 118/222, den Vorschriften der SUVA, BauAV und VUV etc. zusammen. Zusätzlich werden aufgeführt, was bei einer Sichtkontrolle und welche Sicherheitshinweise auf dem Gerüst beachtet werden müssen.

Bei den Bestimmungen wird vor allem die Handhabung von Mängeln, Mehrmiete und die Reinigung von Gerüstmaterial geregelt.

Bespiel: Gerüst-Benutzungsbestimmung

Lagerung von Material auf Gerüsten

BauAV 49.2 verlangt eine Entfernung von überflüssigem oder gefährlichem Material. Unter überflüssigem Material versteht man alles Material, welches nicht unmittelbar für die Arbeiten auf dem Gerüst gebraucht wird. Namentlich Abfälle oder Material, welches auf dem Gerüst deponiert und vergessen wurde und Material, welches woanders benötigt wird (z.B.  Gebäudeinnern).

BauAV 9 a und b schreiben vor, dass Baustellenzugänge mindestens 1m breit sein müssen, die übrigen Verkehrswege (z.B. Gerüstgänge) mindestens 60cm breit und dass Verkehrswege freizuhalten sind.

Werden Gerüstgänge nicht von anderen Arbeiter als Zugang verwendet, kann kurzweilig Material welches unmittelbar benötigt wird, deponiert werden, sofern die Nutzlast des Gerüstes nicht überstiegen wird!

Die meisten, auch von uns, gebrauchten Gerüste entsprechen der Gerüstklasse 3 mit einer Nutzlast von 2 kN/m² was einer gleichmässig verteilten Verkehrslast von 200 kg/m² in maximal einer Gerüstlage gleichkommt. Bei einem Standard-Belag von 2.5m auf 60cm entspricht dies einer maximalen Last von 300kg (2.5*0.6*200kg).

Grobe Verschmutzung des Gerüstes

Der Verursacher ist für die Reinigung verschmutzter Gerüste verantwortlich und haftet für entstandene Mehrkosten. Für die Reinigung verschmutzter Gerüste ist der Besteller verantwortlich (SIA 118/222 1.3.1). Das heisst jetzt nicht, dass der Besteller die Reinigung selbst vornehmen muss! Er muss die Benutzer dahingehend informieren, dass diese das Gerüst so verlassen müssen, wie vorgefunden wurde. Muss der Gerüstbauer selbst die Reinigung kostenpflichtig vornehmen, kann der Besteller die Benutzer für die Kosten in die Pflicht nehmen.

SIA 118 126.3 erlaubt Nebenunternehmer (Benutzer) die unentgeltliche Nutzung, doch haften Sie für Schäden bei einer unsachgemässer Benützung und sind für den Unterhalt des Gerüstes verantwortlich.

Stellt der Gerüstbauer eine grobe Verschmutzung des Gerüstmaterials fest, so ist er nicht zur Demontage verpflichtet und kann eine Reinigung seitens Besteller innerhalb von 2 Tagen beantragen. Nach Ablauf dieser Frist, demontiert der Gerüstbauer wie vorgesehen das Gerüst und kann die Reinigung gemäss Regietarif in Rechnung stellen.

Als „verschmutzt“ gelten Gerüste insbesondere, wenn ihr Zustand nicht den vom SGUV publizierten Reinigungsempfehlungen entspricht. (Vgl. dazu die Beispiele unter www.sguv.ch). Hierbei geht es zusammengefasst nicht um die Ästhetik sondern um schwere Verschmutzung, welche die Handhabung oder Lagerung von Gerüstteilen einschränkt, eine Wertminderung zu Folge hat, oder Risiken erhöhen, bspw. aufgrund von klebende Substanzen (z.B. Fassadenverputz).

Beispiel für grob verschmutztes Gerüstmaterial

Schäden am Gerüstmaterial

Wie bei der Autovermietung ist der Mieter für die Unversehrtheit des Fahrzeuges und der Besteller für die Unversehrtheit des Gerüstes verantwortlich. In beiden Fällen übernehmen i.d.R. Versicherungen die Kosten, sofern nicht selbstverschuldet (Elementarschäden).

Vom Benutzer oder Besteller verursachte Schäden oder Elementarschäden am vermieteten Gerüst dürfen nur durch den Gerüstbauer behoben werden. Diese Arbeiten werden nach Aufwand vergütet und beschädigtes Material wird in Rechnung gestellt.


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Vision 250 Leben

Im Zentrum der «Vision 250 Leben» stehen die «Lebenswichtigen Regeln». Diese werden für alle Branchen und Tätigkeiten mit hohen Risiken spezifisch erarbeitet. Was das Einhalten dieser Regeln betrifft, gilt Null-Toleranz. Das bedeutet, wenn Gefahr für Leben und Gesundheit droht, heisst es STOPP, die Arbeiten einstellen und die gefährliche Situation beseitigen.

«Der Gerüstbauprofi macht seinen Job, ich mach meinen.»

Demontagen, Anpassungen oder Erweiterungen dürfen nur vom Gerüstbauer vorgenommen werden. Wer das Gerüst manipuliert, schafft eine gefährliche Unfallquelle für sich und andere und verstösst gegen das Gesetz. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten – Bauherr, Planer und Benutzer – für das Thema sensibilisiert sind und dass sie auch ihre Mitarbeitenden entsprechend instruieren.

Nicht abändern, sondern abändern lassen!

Gerüste werden immer wieder von den Benutzern verändert und den eigenen Bedürfnissen angepasst. Das führt nicht nur zu Materialschäden, sondern vor allem zu schweren Unfällen.