Anforderungen eines Gerüstes

Die SUVA und das BauAV geben vor, wie ein Gerüst "aussehen" und welche Anforderungen es entsprechen sollte.

Wir haben die nötigen Informationen, welche Sie benötigen um selbstständig ein Gerüst stellen zu lassen, in Kategorieren unterteilt.

Planung

Was muss berücksichtigt, bevor mit den Bauarbeiten begonnen wird?

Sicherheit Baustelle

Was muss auf der Baustelle, rund um das Gerüst, berücksichtigt werden?

Sicherheit Gerüst

Was muss auf dem Gerüst beachtet werden?

Beschaffenheit Gerüst

Wie muss ein Gerüst montiert werden? Auf was muss geachtet werden?

Arbeiten auf Dächern

Welche Anforderungen an das Gerüst müssen bei Arbeiten auf Dächern berücksichtigt werden?

Nachschlagen

Hier finden Sie die relevanten Dokumente, welche als Basis für die Anforderungen gelten.

Planung / Vorbereitung einer Baustelle

Planung / Vorbereitung

Baustellenspezifische Massnahmen

Bauarbeiten müssen so geplant werden, dass das Risiko von Berufsunfällen, Berufskrankheiten oder Gesundheitsbeeinträchtigungen möglichst klein ist und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen, namentlich bei der Verwendung von Arbeitsmitteln, eingehalten werden können (BauAV 3 Abs. 1).

Der Arbeitgeber, der sich im Rahmen eines Werkvertrags als Unternehmer zur Ausführung von Bauarbeiten verpflichten will, hat vor dem Vertragsabschluss zu prüfen, welche Massnahmen notwendig sind, um die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Ausführung seiner Arbeiten zu gewährleisten (BauAV 3 Abs 2).

Als baustellenspezifische Massnahmen gelten Schutzmassnahmen, die von mehreren Unternehmen benützt werden wie Gerüste, Auffangnetze, Laufstege, Sicherungsmassnahmen in Gräben und Baugruben sowie Hohlraumsicherungsmassnahmen im Untertagbau (BauAV 3 Abs. 3).

Mögliche Gefahren

Vor Beginn der Bauarbeiten muss abgeklärt werden, ob im Arbeitsbereich Anlagen vorhanden sind, durch die Personen gefährdet werden können, namentlich elektrische Anlagen, Verkehrsanlagen, Leitungen, Kanäle, Schächte, Anlagen mit Explosionsgefahr oder Giftstoffen. Sind solche Anlagen vorhanden, so ist mit deren Eigentümern oder Betreibern schriftlich festzulegen, welche Sicherheitsmassnahmen erforderlich sind und wer sie durchzuführen hat. Werden solche Anlagen erst nach Arbeitsaufnahme entdeckt, so müssen die Arbeiten sofort eingestellt werden und dürfen erst wieder aufgenommen werden, wenn die erforderlichen Massnahmen getroffen worden sind (BauAV 20).

Organisation der Arbeitssicherheit

Der Arbeitgeber muss auf jeder Baustelle eine Person (i.e. Sicherheitsbeauftragter) bezeichnen, die für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz zuständig ist; diese Person kann den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern diesbezügliche Weisungen erteilen (BauAV 4).

Unterhaltskontrolle Besteller/Bauleitung

Die Bauleitung (Besteller) veranlasst regelmässig Unterhaltskontrollen und lässt festgestellte Mängel durch den Ersteller beheben. (SUVA FAQ 1.12)

Der Besteller muss in Abhängigkeit zur Objektgrösse und der auf dem Gerüst auszuführenden Arbeiten ein Intervall für Zustandskontrollen durch den Gerüsthersteller oder eine Fachfirma festlegen (SUVA FAQ 1.13).

Erfahrungsgemäss sind folgende Intervalle sinnvoll:

  • stark benutzte Gerüste / mehrere Firmen am Werk: Alle 1-2 Wochen
  • normal benutzte Gerüste Alle 2-4 Wochen
  • wenig benutzte Gerüste Alle 4-6 Wochen
Sicherheit auf der Baustelle

Sicherheit auf der Baustelle

Helmpflicht

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen bei allen Arbeiten, bei denen sie durch herunterfallende Gegenstände oder Materialien gefährdet werden können, einen Schutzhelm tragen (BauAV 5).

Warnkleider

Bei Arbeiten im Bereich von Verkehrsmitteln sind Kleider in grellen Farben zu tragen. Diese Kleider müssen mit lichtreflektierenden Flächen beschichtet sein (BauAV 6).

Besondere Anforderungen für Verkehrswege

Die Arbeitsplätze müssen sicher und über sichere Verkehrswege zu erreichen sein (BauAV 8).

Es müssen Leitern, Treppen oder gleichwertige Arbeitsmittel verwendet werden, wenn zum Erreichen der Arbeitsplätze Niveauunterschiede von mehr als 1m zu überwinden sind (BauAV 8). Im Gebäudeinnern sind bei Böden Niveauunterschiede von mehr als 50cm mit einem Geländerholm abzuschranken (BauAV 17).

Wird bei Hochbauarbeiten die Absturzhöhe von 3m überschritten, so ist ein Fassadengerüst zu erstellen. Der oberste Holm des Gerüstes hat während der ganzen Bauarbeiten die höchste Absturzkante um mindestens 80cm zu überragen (BauAV 18).

Baustellenzugänge müssen mindestens 1m breit sein, die übrigen Verkehrswege mind. 60cm breit und sind freizuhalten. Bei Gleitgefahr müssen die Verkehrswege durch geeignete Massnahmen gesichert werden und bei Steigungen von mehr als 20% muss eine Rutschsicherung angebracht sein. An Treppen mit mehr als fünf Stufen ist ein Handlauf anzubringen. (BauAV 9).

Ein Seitenschutz ist zu verwenden bei ungeschützten Stellen mit einer Absturzhöhe von mehr als 2m und bei solchen im Bereich von Gewässern und Böschungen (BauAV 15). Bei Verkehrswegen im Bereich von Gewässern oder Böschungen reicht ein Geländerholm. Bei Linienbaustellen kann auf den Seitenschutz verzichtet werden, wenn sich niemand im Bereich des Grabenrandes aufhalten muss und die Baustelle gut sichtbar signalisiert ist.

Wo das Anbringen eines Seitenschutzes nach Artikel 16 oder eines Gerüstes nach Artikel 18 technisch nicht möglich oder zu gefährlich ist, sind Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen zu verwenden oder gleichwertige Schutzmassnahmen zu treffen. Die Absturzhöhe bei Abstürzen in ein Schutznetz darf nicht mehr als 6m, diejenige bei Abstürzen in ein Fanggerüst nicht mehr als 3m betragen (BauAV 19).

Benutzung von Leitern

Es dürfen nur Leitern verwendet werden, die insbesondere bezüglich Belastbarkeit und Standfestigkeit für die beabsichtigten Arbeiten geeignet sind. Beschädigte Leitern dürfen nicht benützt werden (BauAV 14 Abs. 1+2).

Leitern müssen auf einer tragfähigen Unterlage stehen und gegen Wegrutschen, Drehen und Kippen gesichert sein (BauAV 14 Abs. 3).

Die obersten drei Sprossen von Leitern dürfen nur dann bestiegen werden, wenn beim Austritt eine Plattform und eine Haltevorrichtung vorhanden sind (BauAV 14 Abs. 5).

Sicherheit auf dem Gerüst

Sicherheit auf dem Gerüst

Bei übereinanderliegenden Arbeitsplätzen, wie es auf Gerüsten anzutreffen ist, und Verkehrswegen sind Massnahmen zu treffen, damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf unten liegenden Arbeitsplätzen und Verkehrswegen nicht durch herabfallende, herabgleitende, herabrollende oder herabfliessende Gegenstände oder Materialien gefährdet werden (BauAV 11). Versuchen sie, wenn immer möglich, nicht übereinander zu arbeiten.

übereinanderliegenden Arbeitsplätze

Sicherheitshinweise

Beachten Sie für die Gerüstnutzung folgende Verordnungen:

  • Alle (Gerüst-) Benutzer müssen täglich eine Sichtkontrolle durchführen. Das heisst, sie müssen das Gerüst bezüglich offensichtlichen Mängel kontrollieren. Stellt man Mängel fest, so ist das Arbeiten auf dem Gerüst nicht mehr erlaubt, bis die Mängel behoben wurden (BauAV Art. 49.1, SIA 118/222 4.2).
  • Auf Gerüstbelägen sowie auf Zugängen, Auf- und Abstiegen muss überflüssiges oder gefährliches Material, namentlich Schutt, Schnee und Eis, entfernt werden. (BauAV 49.2). Für die Schnee- oder Eisräumung auf dem Gerüst ist der Besteller verantwortlich (SIA 118/222 1.3.1).
  • Das Gerüst darf nur über den ordnungsgemässen Zugang oder Aufstieg betreten und verlassen werden. Es ist verboten, zu klettern oder abzuspringen. Das Gerüst darf nur im Vollbesitz der Kräfte (d.h. beispielsweise nicht unter Einfluss von Alkohol oder Drogen, Müdigkeit, etc.) betreten werden.

Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorschriften sollte man noch folgende Sicherheitshinweise befolgen:

  • Es ist verboten, auf Gerüstbeläge abzuspringen oder etwas auf sie abzuwerfen.
  • Es ist verboten, sich über den Seitenschutz hinauszulehnen.
  • Klappen von Durchstiegsbelägen sind während der Arbeiten auf der Gerüstebene geschlossen zu halten.
  • Ein Arbeiten in mehreren Ebenen übereinander ist zu vermeiden. Es besteht erhöhte Unfallgefahr durch herabfallende Gegenstände.
  • Das Splitterschutzdach darf nicht betreten werden.
  • Auf dem Splitterschutzdach darf kein Material gelagert werden.
  • Unbenutzte Gegenstände gehören nicht auf das Gerüst (mögliche Stolperfallen und Überladung).

Sichtkontrolle

Alle (Gerüst-) Benutzer müssen täglich eine Sichtkontrolle durchführen. Das heisst, sie müssen das Gerüst bezüglich offensichtlichen Mängel kontrollieren. Stellt man Mängel fest, so ist das Arbeiten auf dem Gerüst nicht mehr erlaubt, bis die Mängel behoben wurden (BauAV 49, SIA 118/222 4.2).

Folgende Punkte sollte der Besteller/Benutzer regelmässig kontrollieren:

  1. Stabilität: Steht das Gerüst auf tragfähiger Unterlage?
  2. Zugänge: Sind sichere Zugänge zu allen Gerüstgängen vorhanden?
  3. Gerüstbeläge: Sind alle Gerüstbeläge in Ordnung und gegen Verschieben gesichert?
  4. Seitenschutz: Sind Bordbretter, Geländer- und Zwischenholme montiert?
  5. Abstände: Betragen die Fassadenabstände überall weniger als 30cm?
  6. Verankerungen: Ist das Gerüst genügend verankert? Haben sich Verankerungen gelöst oder wurden sie entfernt?
  7. Absturzsicherung: Ist die Absturzsicherung am Dachrand traufseitig und giebelseitig vorhanden?
Sichtkontrolle

Mit der bewussten oder unbewussten Arbeitsaufnahme auf dem Gerüst attestiert der Benutzer dem Besteller, dass das Gerüst für ihn so in Ordnung ist.

Beispiele für offensichtliche Mängel sind:

  • Fehlende Bordbretter, Geländer - und Zwischenholme (Seitenschutz).
  • Fehlende oder mangelhafte sichere Zugänge.
  • Stark beschädigte Gerüstbeläge
  • Stark verbogene Holme und Abstützungen
  • Ungenügende oder losgelöste Verankerungen
  • Instabiles Gerüst

Der Besteller muss sicherstellen, dass das Gerüst, nach der Werkübergabe, während der gesamten Benutzungsdauer in einem regelkonformen Zustand bleibt. Müssen Anpassungen am Gerüst vorgenommen werden, so darf nur der Gerüstbauer dafür aufgeboten werden (SIA 118/222 1.3.1).

Wer das Gerüst eigenmächtig verändert d.h. manipuliert, schafft eine gefährliche Unfallquelle für sich und andere und verstösst gegen das Gesetz.

Vorgehen bei Mängel am Gerüst

Arbeit trotz Mängel

Werden Mängel entteckt, darf nicht weiter gearbeitet werden bis die Mängel durch den Gerüstbauer behoben wurden. Wird die Arbeit trotz Mängel weitergeführt, kann dies zu folgenden Konsequenzen führen, gemäss SUVA FAQ 1.33:

  • Einstellen der Arbeiten mit Verfügung (VUV 62 + 64)
  • Ermahnung
  • Prämienerhöhung
  • Strafanzeige gemäss UVG Art. 112 und 113 (selten notwendig)
  • Strafanzeige gemäss StGB Art. 229 (insbesondere bei ausländischen Betrieben, weil bei diesen das UVG nur beschränkt angewendet werden kann)
Sicherheit auf dem Gerüst

Beschaffenheit des Gerüstes

Anatomie eines Gerüstes

Anatomie eines Gerüstes
  1. Gerüst-Rahmen
  2. Gerüst-Belag
  3. Gewindefussplatte
  4. Verbindungstraverse
  5. Absclussdoppelgeländer
  6. Diagonalstrebe
  7. Geländerholm
  8. Zwischenholm
  9. Bordbrett
  10. Gerüstfeld

Abstellbasis / Fundation

Gerüste müssen auf eine tragfähige Unterlage abgestellt und gegen Wegrutschen gesichert werden. Wenn notwendig, sind Hilfskonstruktionen zu erstellen (BauAV 40).

BauAV 37 schreibt vor, dass nur Gerüste und Gerüstbestandteile verwendet werden dürfen, die den Anforderungen an das Inverkehrbringen nach dem Bundesgesetz über die Produktesicherheit entsprechen. Sie müssen alle einwirkenden Kräfte, auch während des Auf-, Um- und Abbaus aufnehmen können, namentlich

  • Eigengewicht, Nutzlasten, Windkräfte und Schneelasten
  • dynamische Einwirkungen wie bei Sprüngen, Stürzen oder Erschütterungen
  • spezielle Kräfte, die während des Auf-, Um- und Abbaus auftreten

Gerüste sind so stabil aufzubauen, dass sämtliche Bestandteile gegen unbeabsichtigtes Verschieben gesichert sind (BauAV 39).

Gerüstbestandteile, die verbogen, geknickt, durch Korrosion oder anderswie beschädigt sind, dürfen nicht benützt werden (BauAV 38).

Wer eigene oder gerüstfremde Ein- und Anbauten jeglicher Art wie Aufzüge, Seilwinden oder Konsolen an ein Gerüst anbringen will, hat sich vorgängig zu vergewissern, dass das Gerüst bezüglich Tragsicherheit und Stabilität den zu erwartenden Zusatzkräften standhält (BauAV 42).

Die Gerüstgänge der Arbeitsgerüste sind in einem vertikalen Abstand von höchstens 2.3m anzuordnen.

Maximalabstand

Der Abstand des Belages von der Fassade darf in keiner Bauphase 30cm übersteigen. Ist dies nicht möglich, so sind zusätzliche Massnahmen zu treffen, um einen Absturz zu verhindern (BauAV 46).

Minimalabstand

Die BauAV gibt keinen Mindestabstand an (SUVA FAQ 1.25). Es können baustellenspezifische Anforderungen definiert werden, die einen Mindestabstand enthalten. SIA 118/222 0.4.2.9 empfielt (gibt aber nicht vor) nach Möglichkeit mind. 15cm.

Fassadenabstand

Seitenschutz

Bei einer Absturzhöhe von über 2m oder in Bereichen von Gewässern und Böschungen ist das Anbringen eines Seitenschutzes nötig (BauAV 15 Abs. 1).

BauAV 16 regelt weiter die Beschaffenheit des benötigten Seitenschutzes. Ein Seitenschutz besteht aus zwei horizontalen Streben, einem Geländerholm (zwischen 95cm und 105cm) und Zwischenholm (zwischen 50cm und 60cm) und unten einem Bordbrett (mind. 15cm ab der Standfläche). Der Abstand zwischen Geländerholm und Zwischenholm darf nicht mehr als 47cm betragen.  Der Seitenschutz ist so zu befestigen, dass er nicht unbeabsichtigt entfernt werden oder sich lösen kann.

Gerüstgänge die weder für den Durchgang oder die geplanten Arbeiten benötigt werden und auch abgesperrt wurden, benötigen nicht unbedingt Bordbretter.

Ist das Anbringen eines Gerüstes oder Seitenschutzes technisch unmöglich oder zu gefährlich, so sind gleichwertige Schutzmassnahmen (wie Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen) zu verwenden. Dabei darf die Absturzhöhe bei Abstürzen in ein Schutznetz nicht mehr als 6m und in ein Fanggerüst nicht mehr als 3 m betragen (BauAV 19).

Seitenschutz

Verankerungen

Das Gerüst ist am Bauwerk zug- und druckfest zu verankern oder anderweitig in geeigneter Weise, namentlich durch Abstützen oder Abspannen, zu fixieren (BauAV 41).

Die Befestigungen sind bei der Gerüstmontage fortlaufend anzubringen und dürfen erst bei der Gerüstdemontage (auf diese abgestimmt) entfernt werden. Die Verankerung erfolgt in der Fassade durch geeignete, zulässige Dübel entsprechend den Ankerkräften. Es ist sicherzustellen, dass die Fassade diese Kräfte aufnehmen und in das Bauwerk weiterleiten kann.

Enthält die Montageanleitung des Gerüsteherstellers, aufgrund der statischen Berechnungen, keine andere Vorgaben, so gelten folgende Mindestanforderungen für Gerüste bis zu 30m Höhe:

  • Die Gerüstfläche darf pro Verankerung 25 m2 nicht übersteigen. (Bei Standard-Gerüsten mit einer Gerüstfeld-Breite von 2.5m entspricht dies 5 Gerüstfelder)
  • Bei bekleideten Gerüsten darf die Fläche mit Netzen nicht 20 m2 (4 Gerüstfelder) und mit windundurchlässigem Material nicht 10 m2 übersteigen (2 Gerüstfelder).

Die Verankerungen sind in der Höhe versetzt anzuordnen.

Zusätzliche Verankerungen sind bei Treppenaufgängen, Spenglerläufen, Arbeitspodesten, Not- und Schutzdächern und anderen Gerüstauskragungen nötig. Gerüste über 30m Höhe, sind im unteren Bereich häufiger zu verankern.

Verankerungen

Auslegestützen

Auslegestützen kommen zur Anwendung, wenn an der Fassade keine zug- und druckfesten Verankerungen angebracht werden können und die Höhe des obersten Laufganges nicht mehr als 6.00m beträgt.

Bei vollflächig verkleideten Gerüsten darf diese Verankerungsart nicht gewählt werden. Bekleidete Fassadengerüste (Netze, Planen) können praktisch nicht fachgerecht mit einer Aussenabstützung gesichert werden.

Die Aussenabstützungen sind mindestens bei jedem 2. Gerüstrahmen anzubringen.

Aussabstützungen

Zugang zu Arbeitsplätzen auf dem Gerüst

Für jeden Arbeitsplatz muss in höchstens 25m Entfernung ein sicherer Zugang vorhanden sein. Für den Aussenaufstieg sind auch Leitern bis zu einer Absturzhöhe von 5m zugelassen (BauAV 45).

 

Zugänge

Der Gerüstbauer muss bei jedem Zugang und Aufstieg Schilder anbringen mit Angaben der Nutzlast und dem Verbot für unbefugtes Betreten des Getrüstes (SIA 118/222 1.3.2)

Hinweistafeln an jedem Zugang und Aufstieg

Tragfähigkeit Arbeitsgerüste

In Hinsicht auf die auszuführenden Arbeiten dürfen nur Gerüste mit folgender minimaler Tragfähigkeit (Nutzlast in kN pro m2) und minimale Belagsbreite (auch zwischen Gerüstrahmen) verwendet werden:

BauAV Art 44 NL min. Belagsbreite Gerüstbezeichnung
Arbeiten mit leichtem Material wie Verputz- oder Malerarbeiten 2.00 60cm leichtes Arbeitsgerüst (Verputz-/Malergerüst)
Arbeiten mit Material-lagerung wie Maurerarbeiten 3.00 90cm schweres Arbeitsgerüst (Maurergerüst)
Arbeiten mit schwerem Material wie das Versetzen von Fertigelementen 4.50 90cm besonders schweres Arbeitsgerüst (Steinhauergerüst)
Tragfähigkeit Arbeitsgerüste

Berechnung von Nutzlasten

Die zulässigen Belastungen der jeweiligen Gerüstsysteme regelt die Anleitung des entsprechenden Herstellers auf der Basis von SN EN 12811.

Die Summe der gleichmässig verteilten Verkehrslasten auf den einzelnen Gerüstbelagflächen (innerhalb eines Gerüstfeldes) darf die angegebene Nutzlast nicht überschreiten. Pro Person wird eine Last von 1kN (etwa 100kg) angenommen. Werden Lasten mit Hebezügen bspw. Kran auf Gerüste abgesetzt, sind diese Lasten jeweils mit dem Faktor 1.2 zu multiplizieren.

Beispiel: Zulässige Belastung einer Gerüstbelagfläche in einem Gerüstfeld der Lastklasse 3.

  • Belag 2.5m auf 0.6m ergibt eine Fläche von 1.50m2
  • Zulässige Belastung: 1.50 * 2.0 = 3kN (etwa 300kg)

Die geschätzte Belastung setzt sich aus den Lasten der Materialien und Personen zusammen:

  • zulässige Belastung: 3kN
  • eine Person: -1kN
  • ergibt eine erlaubte zusätzliche Last aufgrund von notwendigen Arbeitsgeräten und sofort verarbeitbare Materialien von 2kN, somit etwa 200kg. (Die Lagerung von Materialen ist auf Gerüstbelägen der NL 2 (oder weniger) nicht erlaubt.)
Geschätzte Nutzlast eines Gerüstbelages

Zusammenfassung Anforderungen

  • Das Gerüst muss auf einer tragfähigen Unterlage abgestellt werden (rechtzeitig hinterfüllen und verdichten) (BauAV 40).
  • Platzverhältnisse, Zugänge, Trag- und Widerstandsfähigkeit des gewählten Gerüsts müssen auf die geplanten Arbeiten abgestimmt sein.
  • Das Gerüst muss alle einwirkenden Kräfte aufnehmen können.
  • Die Gerüstbestandteile müssen in einwandfreiem Zustand sein (BauAV 38).
  • Das Gerüst muss stabil sein (BauAV 39).
  • Das Gerüst muss zug- und druckfest verankert werden (BauAV 41).
  • Gerüstfremde Ein- und Anbauten dürfen die Tragsicherheit und Stabilität des Gerüsts nicht beeinträchtigen (BauAV 42).
  • Der Gerüstehersteller liefert eine Montageanleitung für den Regelfall (basiert auf Typenstatik). Wird davon abgewichen, muss der Gerüstbauer jederzeit in der Lage sein, den statischen Nachweis vorzulegen.
  • Der oberste Holm des Gerüstes hat während der ganzen Bauarbeiten die höchste Absturzkante um mindestens 80cm zu überragen (BauAV 18).
  • Der Abstand des Belages von der Fassade darf in keiner Bauphase 30cm übersteigen.
Arbeiten auf Dächern

Arbeiten auf Dächern

An Dachrändern, auch an giebelseitigen Dachrändern, sind ab einer Absturzhöhe von 3m Massnahmen zu treffen, um Abstürze zu verhindern (BauAV 28). Je nach Dachneigung (an der Traufe gemessen) sind entsprechende Massnahmen zu treffen (BauAV 28 Abs. 2).

Die Dachfangwand wird direkt an der Traufe errichtet, hat diese um mindestens 80cm zu überragen, muss eine Bauhöhe von mind. 100cm aufweisen und ist in der tragenden Unterkonstruktion zu verankern.

Bei Dachneigungen von mehr als 40° sind für Arbeiten an der Traufe zusätzlich zur Dachfangwand Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen zu verwenden oder gleichwertige Schutzmassnahmen zu treffen.

Bei unterschiedlichen Dachneigungen ist für die zu treffenden Massnahmen die Neigung an der Dachtraufe massgebend (BauAV 28 Abs. 2).

Spenglergang bei verschiedenen Dachneigungen

Bei Dächern mit einer Neigung bis und mit 60° ist ein Spenglergang anzubringen (BauAV 29.1).

  • Bei Dächern mit einer Neigung bis 10° kann der Spenglergang entfallen, wenn ein durchgehender Seitenschutz angebracht ist und alle Arbeiten innerhalb des Seitenschutzes ausgeführt werden können.
  • Bei Dächern mit einer Neigung zwischen 25° und 60° ist der Seitenschutz des Spenglerganges als Dachdeckerschutzwand auszugestalten.
  • Bei Dächern mit einer Neigung über 60° darf, unabhängig von der Traufenhöhe, nur von Gerüsten oder beweglichen Arbeitsbühnen aus gearbeitet werden.

Bei Absturzhöhen ab der Traufe oder ab dem Flachdachrand von mehr als 3m ist maximal 1m unterhalb derselben ein Spenglergang zu erstellen (BauAV 47 Abs. 2).

Spenglergang

Der Spenglergang ist ein Gerüstgang, der das sichere Arbeiten am Dachrand ermöglicht und in der Regel auskragend am Gerüst montiert ist (BauAV 47). Der Belag des Spenglerganges ist für eine dynamische Beanspruchung wie beim Sturz vom Dach zu bemessen (BauAV 47 Abs. 3). Das heisst, dass die Beläge so beschaffen sein müssen, dass sie ein Fall eines 100kg schwerer Fallkörper aus 2.5m standhalten können. Selbstverständlich wird das Testen vom Gerüstehersteller veranlasst, nur muss der Gerüstbauer die dafür vorgesehenen Beläge benutzen.

Beträgt die Öffnung zwischen dem Belag des Spenglergangs und der Fassade mehr als 30cm, so sind Massnahmen zu treffen, die Abstürze durch diese Öffnung verhindern (BauAV 30).

Der Seitenschutz des Spenglerganges muss mindestens 60cm von der fertigen Dachtraufe oder der Aussenkante des Daches entfernt stehen; sein oberster Holm muss mindestens 80 cm oberhalb des Dachrandes liegen (BauAV 47.4). Die Abstände zwischen Holmen oder zwischen Holmen und Bordbrettern dürfen 50cm nicht überschreiten (BauAV 47.5).

Spenglergang

Dachdeckerschutzwand

Die Dachdeckerschutzwand ist eine Schutzeinrichtung am Spenglergang, die vom Dach stürzende Personen, Gegenstände und Materialien auffängt (BauAV 48.1). In der Dachdeckerschutzwand sind Öffnungen oberhalb der Traufe oder des Dachrandes bis zu einer Höhe von je 25cm, unterhalb der Traufe oder des Dachrandes bis zu einer Fläche von je 100 cm2 zulässig (BauAV 48 Abs. 2).

Dachdeckerschutzwand

Giebelseitige Absturzsicherung

An Dachrändern, auch an giebelseitigen Dachrändern, sind ab einer Absturzhöhe von 3m Massnahmen zu treffen, um Abstürze zu verhindern (BauAV 28). Weiter heisst es (BauAV 29, Absatz 5): An giebelseitigen Dachrändern sind ein Geländerholm und ein Zwischenholm anzubringen. Diese Massnahme kann entfallen, wenn ein durchgehender Spenglergang angebracht ist oder gleichwertige Schutzmassnahmen getroffen worden sind.

Dabei wird die Beschaffenheit des Geländerholms und Zwischenholms nur im Zusammenhang des Seitenschutzes (BauAV 15) definiert und ist auf die giebelseitige Absturzsicherung nicht wirklich anwendbar.

Die SUVA gibt diesbezüglich weiter vor, dass der Abstand zum oberen Geländerholm vom Dachrand mind. 80cm betragen muss, sofern der Abstand parallel zum Dachrand gemessen wird. Wird der Abstand bei der Dachspitze (Dachfirst) vertikal gemessen, so muss der Abstand mind. 100cm betragen.

Der Abstand zwischen Geländer- und Zwischenholm darf nicht grösser als 47cm betragen.

Giebelseitige Absturzsicherung

Um alles berücksichtigen zu können, müsste die Dachneigung herangezogen werden. Bei einem Abstand von 90-94cm und bei einer Dachneigung von mind. 20-25°, sollten auch die Vorgaben des Mindestabstandes (100cm) auf der Dachfirst und der Abstand zum Zwischenholm von 47cm eingehalten sein.

Giebelseitige Absturzsicherung

Dachneigung berechnen

Möchten Sie die Dachneigung berechnen, benötigen Sie die Länge und Höhe an einem beliebigen Punkt des Daches. Wichtig bei der Messung, dass Länge und Höhe (die Katheten) sich im rechten Winkel (90°) schneiden.

Berechnung vom Dachwinkel

Sie dividieren die Höhe (b) durch Länge (a) (i.e. b/a) und erhalten die Neigung/Steigung in Prozent (Neigung%). Den Neigungswinkel (Neigung°) kann mittels arctan(Neigung%)*180*pi berechnet werden.

Nachschlagen

Nachschlagen

BauAV

Verordnung
über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten.

SUVA FAQ

Fragen und
Antworten zu Fassadengerüsten. FAQ: häufig gestellte Fragen.

Gesetze

Gesetze und Verordnungen rund um das Gerüst

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